Südkoreas Autozulieferer: 71 % der Befragten planen Robotik-Einstieg – Experten raten zu Teilen statt ganzen Robotern

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Illustration: Beine eines generischen humanoiden Roboters in industrieller Umgebung, im Zusammenhang mit dem Einstieg von Autozulieferern in die Robotik
71 % der befragten koreanischen Autozulieferer planen, in den kommenden drei Jahren ein Robotikgeschäft aufzubauen, um neue Wachstumsfelder zu erschließen. © Robotique Store

In Südkorea erwägen 71 % der befragten Autozulieferer, innerhalb von drei Jahren in die Robotik einzusteigen. Auf einem Seminar in Seoul rieten Experten dazu, sich auf Komponenten, Industriekunden und Aufträge zu konzentrieren statt auf komplette Roboter.

Rund 100 Fachleute aus der Autoteilebranche kamen im El Tower im Seouler Stadtteil Yangjaedong zu einem Seminar über Strategien für den Einstieg in die Robotikindustrie zusammen. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung gemeinsam von der Genossenschaft der koreanischen Automobilindustrie und dem Koreanischen Verband für KI und Robotik, unterstützt von DN Solutions. Thema waren unter anderem die Chancen durch humanoide Roboter sowie der Wandel der chinesischen und US-amerikanischen Lieferketten.

Umfrage: Koreanische Autozulieferer wollen in die Robotik

Park Seung-wook, Zentrumsleiter am Koreanischen Institut für Automobilforschung, stellte Zwischenergebnisse einer Umfrage unter 31 Autoteileherstellern und 23 Robotikunternehmen vor.

Demnach planen 71 % der teilnehmenden Autozulieferer, in den kommenden drei Jahren ein Robotikgeschäft aufzubauen. Wichtigstes Motiv ist die Suche nach neuen Wachstumsfeldern.

Der Wechsel in die Robotik stößt allerdings auf kommerzielle und finanzielle Hürden. Vor allem fällt es den Unternehmen schwer, Kunden zu finden und Absatzmärkte zu sichern.

Die Hindernisse unterscheiden sich zudem je nach Unternehmensgröße. Laut Park Seung-wook nennen Firmen mit einem Umsatz von mindestens 50 Milliarden Won vor allem den Mangel an Fachpersonal. Unternehmen unterhalb dieser Schwelle verweisen eher auf die hohe Anfangsinvestition.

Robotikkomponenten und Industrieaufträge haben Vorrang

Nach Ansicht von Park Seung-wook sollten Autozulieferer sich auf die Lieferung von Teilen konzentrieren statt komplette Roboter zu bauen. Zudem empfiehlt er, zunächst Kunden und Aufträge zu gewinnen, bevor in großem Umfang in neue Anlagen investiert wird.

Dieser Ansatz baut auf den industriellen Fähigkeiten auf, die Automobilzulieferer bereits beherrschen. Präzisionsbearbeitung, Montage, Schmieden und Wärmebehandlung lassen sich etwa für die Fertigung von Robotikkomponenten nutzen.

Park Seung-wook sieht drei Wege in diese Branche:

  • Die Lieferung von Komponenten an Roboterhersteller.
  • Die Auftragsfertigung von Teilen, die von Robotikunternehmen entwickelt wurden.
  • Die Zweitbelieferung als Ergänzung zu bereits etablierten Zulieferern.

Er rät, mit Prototypen zu beginnen, die auf vorhandenen Maschinen oder gemeinsam genutzten Anlagen gefertigt werden. Weitere Investitionen sollten erst nach der Bewertung durch die Kunden und dem Erhalt von Aufträgen folgen.

Angesichts des chinesischen Preiswettbewerbs empfiehlt er, industrielle Anwendungen ins Visier zu nehmen, bei denen die Zuverlässigkeit der Komponenten ein entscheidendes Kriterium ist, etwa in Fabriken. Auch Einkäufer, die gezielt Zulieferer außerhalb Chinas suchen, seien eine Zielgruppe.

US-Hersteller humanoider Roboter suchen Zulieferer in Korea

Lee Tae-yeop, leitender Forscher am HMG Management Research Institute des Hyundai-Motor-Konzerns, erläuterte, welche Folgen der industrielle Aufstieg Chinas für die Lieferketten der Robotik hat.

Seiner Analyse zufolge haben US-amerikanische Hersteller humanoider Roboter begonnen, in Südkorea nach Komponentenlieferanten zu suchen. Hintergrund sind die US-Beschränkungen gegenüber China.

Um den industriellen Fortschritt Chinas zu veranschaulichen, verwies Lee Tae-yeop zudem auf die Entwicklung des weltweiten Marktanteils chinesischer Autohersteller: Dieser sei von 16 % im Jahr 2016 auf 29 % im jüngsten in seiner Präsentation genannten Zeitraum gestiegen.

Diese Entwicklung könnte koreanischen Zulieferern zugutekommen, die den Fertigungsbedarf US-amerikanischer Robotikunternehmen decken können, insbesondere bei Komponenten, die eine industrielle Präzisionsfertigung erfordern.

China entwickelt eigene Software und Produktionsketten für Roboter

Ko Tae-bong, Geschäftsführer von iM Securities, widmete seinen Vortrag den Entwicklungen der chinesischen Industrie für physische KI und humanoide Roboter.

Ihm zufolge haben chinesische Hersteller ihre Fertigungskapazitäten und ihre KI-Technologien schrittweise zusammengeführt. Diese Entwicklung geht mit der Automatisierung von Fabriken durch Industrieroboter und kollaborative Roboter einher, die mit KI-gestützten Bildverarbeitungssystemen ausgestattet sind.

Ko Tae-bong beschrieb außerdem mehrere Trends bei chinesischen Roboterherstellern:

  • Die Vereinfachung von Konstruktionen, um die Vermarktung zu erleichtern.
  • Die Weiterentwicklung von Roboterhänden und ihrer Mechanik.
  • Die Integration selbst entwickelter Software und KI-Modelle statt des durchgängigen Rückgriffs auf Plattformen von Nvidia.
  • Der Aufbau integrierter Lieferketten, die eine kundenspezifische Fertigung ermöglichen.

Der Manager von iM Securities betonte darüber hinaus, wie wichtig es sei, das praktische Können von Facharbeitern in Trainingsdaten für Roboter zu überführen.

DN Solutions zeigt die Bearbeitung von Gelenkteilen für Humanoide

Auch Fertigungstechnologien standen auf dem Programm des Seminars. Jang Hyun-sik, Manager bei DN Solutions, stellte Bearbeitungslösungen für Präzisionskomponenten in humanoiden Robotern vor.

Im Mittelpunkt seines Vortrags standen unter anderem Wellgetriebe, Getriebemechanismen, die in Robotergelenken zum Einsatz kommen. Diese Komponenten sind ein mögliches Einsatzfeld für die Bearbeitungskompetenz der Autozulieferer.

Lee Taek-sung, Präsident der Genossenschaft der koreanischen Automobilindustrie, berichtete zudem von seinem Besuch bei einem chinesischen Hersteller humanoider Roboter und einem Produktionsstandort für Elektrofahrzeuge im Februar. Er hob hervor, wie schnell technologische Entwicklungen in China zu einem industriellen Geschäft werden.

Bae Seok-tae, ständiger Vizepräsident des Koreanischen Verbands für KI und Robotik, unterstrich schließlich die zentrale Rolle der Komponentenlieferanten beim Aufbau einer vollständigen Lieferkette für die Robotik.