
Biobest hat den Vertrieb von Polly gestartet, einem Bestäubungsroboter für Tomatenkulturen im Gewächshaus. Der gemeinsam mit Arugga AI Farming entwickelte Roboter ergänzt die Arbeit der Hummeln. Nach Angaben des Unternehmens brachte er in Tests Ertragssteigerungen von 2 bis 6 %.
Nach fünf Jahren Zusammenarbeit zwischen Biobest und Arugga AI Farming kommt Polly nun auf den Markt. Die Technologie wurde in kommerziellen Gewächshäusern in Europa und Nordamerika entwickelt, weiter verbessert und getestet. Zielgruppe sind Tomatenproduzenten, die eine gleichmäßige Bestäubung sicherstellen wollen, wenn die Witterung die Aktivität der Hummeln einschränkt.
So funktioniert Polly: Kameras und Luftstöße bestäuben Tomatenblüten
Polly nutzt die Fähigkeit von Tomatenblüten zur Selbstbestäubung. Jede Blüte besitzt pollentragende Staubbeutel und eine weibliche Narbe. Um die Befruchtung zu fördern, setzt der Roboter Kameras und eine Bilderkennung ein, mit denen er jede bestäubungsbereite Blüte einzeln erkennt.
Hat Polly eine Blüte erkannt, gibt der Roboter gezielte Luftstöße ab. Diese lösen den Pollen und fördern so den Fruchtansatz. Mit dieser mechanischen Methode ist die Bestäubung nicht mehr ausschließlich auf die Aktivität von Bestäuberinsekten angewiesen.
Laut Jorden van de Walle, Produktmanager für Bestäubung bei Biobest, ist Polly für den Einsatz gemeinsam mit Hummeln ausgelegt. Der Roboter biete zusätzliche Sicherheit, wenn die Umgebungsbedingungen die Aktivität der Hummeln einschränken, und lasse sich auch in Tomatenproduktionssystemen ohne Hummeln einsetzen.
Autonomer Betrieb: Ein Roboter für einen Hektar Anbaufläche
Biobest nennt zwei wesentliche Verbesserungen, die vor der Markteinführung von Polly erzielt wurden. Die erste betrifft die Arbeitsgeschwindigkeit: Diese reicht laut Unternehmen inzwischen aus, damit ein einzelner Roboter einen Hektar Anbaufläche abdeckt.
Die zweite ist eine vollständig autonome Basisstation. Der Produzent stellt Polly zu Tagesbeginn lediglich in die erste Pflanzenreihe. Anschließend übernimmt der Roboter laut Biobest den ganzen Tag über die Bestäubung, ohne dass weitere Eingriffe nötig sind.
Diese Konfiguration soll den täglichen Arbeitsaufwand in kommerziellen Gewächshäusern verringern und gleichzeitig sicherstellen, dass der Roboter zwischen den Tomatenpflanzen hindurchfährt.
Mehr Ertrag: 2 bis 6 % in Tests laut Biobest
Laut Jorden van de Walle zeigten Tests mit der Bestäubungstechnologie von Arugga regelmäßig Ertragssteigerungen zwischen 2 und 6 %. In den meisten Fällen genüge bereits ein Plus von 1,5 %, um eine positive Kapitalrendite zu erzielen.
Biobest stellt diese Ergebnisse als wirtschaftliches Argument für Produzenten von Gewächshaustomaten dar. Sie geben die in den Tests gemessenen Werte wieder und sind kein garantierter Ertrag für jeden Betrieb.
Interessant ist der Roboter vor allem in Phasen, in denen Hummeln weniger aktiv sind. Im Winter können kurze Tage, wenig Licht, ergänzende LED-Beleuchtung und die zum Energiesparen eingesetzten Energieschirme ihre Bestäubungsleistung verringern.
Auch im Sommer gibt es laut Biobest Schwierigkeiten, sobald die Temperaturen 35 °C übersteigen. Polly kann in diesen Phasen weiter bestäuben, um Schwankungen bei der Befruchtung der Blüten und deren Folgen für die Produktion zu begrenzen.
Preismodelle: Biobest bietet Polly zur Miete oder zum Kauf an
Biobest bietet Polly ab sofort kommerziell an, und zwar in zwei Varianten für Betreiber von Tomatengewächshäusern.
- Miete über 12 Monate: Der Vertrag umfasst eine vollständige Garantie, Wartung, technischen Support und Ersatzteile.
- Direktkauf: Für den Roboter gilt eine vollständige Garantie von fünf Jahren. Nach deren Ablauf kann der Produzent die Absicherung verlängern oder sich für ein Fernsupport-Paket entscheiden.
Mit diesen beiden Modellen können Produzenten zwischen einem Mietvertrag mit inbegriffener Wartung und einer Investition in eigene Bestäubungstechnik wählen.