Renault will 350 Calvin-Humanoide einsetzen: Wandercraft-Roboter hebt 30 Kilogramm Reifen auf einmal

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Verchromtes Renault-Rautenlogo auf der Motorhaube eines weißen Fahrzeugs, im Zusammenhang mit den Tests des Roboters Calvin im Werk Douai
Nahaufnahme des Renault-Logos an einem geparkten Fahrzeug, im Chrom spiegelt sich ein Gebäude. Foto: Ivan Radic / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Renault Group und das französische Scale-up Wandercraft entwickeln gemeinsam Calvin, einen mobilen humanoiden Roboter, der derzeit im Werk Douai getestet wird. Der Autohersteller kündigt an, bis Ende 2026 rund zehn Exemplare einzusetzen und bis Ende 2027 dann 350 in seinen Werken in Frankreich und Spanien.

Am Anfang stand eine Begegnung. Am 1. Oktober 2024 hörte Laurent Duthoit, den der Konzern als Experten für Robotik und physische KI bei Renault vorstellt, auf einer F&E-Konferenz von Cap Digital, wie Jean-Louis Constanza, Mitgründer von Wandercraft, die Absicht ankündigte, humanoide Roboter zu produzieren. Am 15. Oktober besuchte Duthoit Wandercraft in dessen Pariser Räumlichkeiten. Wenige Wochen später besichtigten rund zwanzig Ingenieure des Scale-ups das Werk in Douai. Acht Monate nach diesem ersten Kontakt gab Renault Group eine Beteiligung an Wandercraft bekannt, verbunden mit einer Partnerschaftsvereinbarung. Der Konzern spricht von einer Zusammenarbeit, die „zu 100 % französisch“ sei.

Calvin hebt 30 Kilogramm Reifen auf einmal

Calvin, derzeit in Douai im Test, greift laut Renault Group jeweils zwei Reifen gleichzeitig, also rund dreißig Kilogramm auf einmal. Der Hersteller beziffert die Nutzlast auf 40 bis 50 Kilogramm, während die meisten Roboter auf dem Markt nach seinen Angaben 3 bis 10 Kilogramm handhaben. Vorgesehen ist der Roboter für die Handhabung von Reifen, eine sich ständig wiederholende Tätigkeit, die der Konzern für Werker als belastend bezeichnet.

Um das Gleichgewicht zu halten, nutzt Calvin mehrere Sensoren: inertiale Messeinheiten in jedem Glied, Kraftsensoren unter den Füßen und eine RGB-D-Kamera, mit der er seine Umgebung wahrnimmt. Renault Group führt auf die physische KI zurück, dass der Roboter die reale Welt wahrnehmen, sich an sie anpassen und die Aufgabe wechseln kann. Darin unterscheide sich Calvin von klassischen Industrierobotern, die auf eine einzige Aufgabe festgelegt sind.

Entwicklung nach dem Vorbild eines Autos

Die beiden Unternehmen steuern den Roboter „als System“, ähnlich wie bei der Entwicklung eines Fahrzeugs. Renault Group legt die funktionalen Anforderungen und Anwendungsfälle fest, Wandercraft liefert die technischen Antworten. Der Prozess verläuft in Stufen: zunächst in den Pariser Labors von Wandercraft, dann im Innovationszentrum in Flins, wo die Räderwerkstatt aus Douai nachgebaut wurde, schließlich im Werk selbst. In wöchentlichen Abstimmungsrunden geht es um konkrete Punkte wie die Höhe der Kamera, die Beinlänge des Roboters oder die Software.

Der Konzern verweist darauf, dass er bereits über 11.000 sechsachsige Industrieroboter in 23 Werken verfügt. Hinzu kommen 5.000 AGV, also fahrerlose Transportfahrzeuge, und 100 AMR, autonome mobile Roboter für den Materialtransport. Jeder dieser Roboter bleibt auf eine einzige Aufgabe beschränkt.

Renault Group bezeichnet die Entwicklung als „kontrollierte“ disruptive Innovation, die schrittweise vorangetrieben werde. Zwei Hürden bestehen laut Konzern weiterhin: die Robustheit und die Integration in eine Produktionsumgebung mit hoher Taktung. Der Hersteller positioniert Calvin als Ergänzung zu den Werkern, nicht als deren Ersatz. Der Name ist eine Hommage an Susan Calvin, die von Isaac Asimov erdachte „Robopsychologin“.