
In Philadelphia hat die Polizei die 78-jährige Carolyn Marvin angehalten, nachdem sie einen Uber-Eats-Lieferroboter auf einem Gehweg blockiert hatte. Der Vorfall wirft ein Licht auf eine Besonderheit im Recht von Pennsylvania: Die Maschinen haben dort einen ähnlichen rechtlichen Status wie Fußgänger.
Die frühere Professorin für Kommunikationswissenschaft an der University of Pennsylvania war nach einer Grippeimpfung auf dem Heimweg, als ihr ein autonomer Lieferroboter von Uber Eats begegnete. Sie stellte sich ihm in den Weg und blieb dort stehen, bis sich eine Menschenmenge bildete und die Polizei eingriff. Die Blockade war Absicht: Nach eigenen Angaben führt die Rentnerin schon seit mehreren Monaten ähnliche Aktionen durch, um dagegen zu protestieren, dass Maschinen den öffentlichen Raum in Beschlag nehmen.
Polizeieinsatz nach Blockade des Uber-Eats-Roboters
Laut einem von The Independent zitierten Sprecher der Polizei von Philadelphia wurden die Beamten wegen einer Meldung über eine mögliche Sachbeschädigung an einem Roboter gerufen.
Carolyn Marvin soll sich trotz Anweisung der Polizisten mehrfach geweigert haben, den Weg freizumachen. Schließlich erhielt sie einen Strafzettel wegen Störung der öffentlichen Ordnung.
Gegenüber CNN sagte die Rentnerin, sie sei davon ausgegangen, mehr Rechte zu haben als der Roboter. Erst durch den Polizeieinsatz erfuhr sie von einer besonderen Regelung im örtlichen Recht, die autonome Liefergeräte betrifft.
Pennsylvania: Lieferroboter rechtlich mit Fußgängern gleichgestellt
Das Gesetz Act 106 aus dem Jahr 2020 ordnet autonome Lieferroboter, offiziell „personal delivery devices“ genannt, in der Straßenverkehrsordnung des US-Bundesstaats Pennsylvania der Kategorie der Fußgänger zu.
Damit haben die Geräte bestimmte Rechte und Pflichten, die mit denen von Fußgängern vergleichbar sind. Autofahrer müssen ihnen unter anderem an Fußgängerüberwegen Vorrang gewähren. Im Gegenzug müssen die Roboter selbst Fußgängern und Radfahrern den Vortritt lassen.
Die Regelung legt also fest, wie sich Lieferroboter im öffentlichen Raum bewegen dürfen, räumt ihnen aber keinen generellen Vorrang vor den Menschen auf dem Gehweg ein.
Protest gegen Lieferroboter: Blockaden von 10 bis 15 Minuten
Wie Carolyn Marvin CNN sagte, blockiert sie die Maschinen seit mehreren Monaten gezielt, wann immer die Umstände es zulassen. Nach ihrer Schätzung hält sie die Roboter dabei in der Regel etwa 10 bis 15 Minuten auf.
Sie wolle auf mehrere mögliche Folgen des Einsatzes von Lieferrobotern aufmerksam machen, erklärt sie: den Wegfall von Arbeitsplätzen für Kuriere, die Sicherheit von Fußgängern und Risiken für die Privatsphäre durch die an den Geräten angebrachten Kameras.
Zudem beruft sie sich auf den ersten Zusatzartikel der US-Verfassung und nimmt für sich das Recht in Anspruch, im öffentlichen Raum gegen die Praktiken von Unternehmen zu demonstrieren.
Aus Sicht der früheren Hochschullehrerin sollen Gehwege Menschen vorbehalten bleiben, nicht Maschinen. Sie zieht einen Vergleich zum Raum, den Autos auf den Straßen bereits einnehmen, und kritisiert, dass Technik immer weiter in den Alltag vordringt.
Trotz Polizeieinsatz: Rentnerin will weiter Roboter blockieren
An Carolyn Marvins Haltung scheint der Polizeieinsatz nichts geändert zu haben. Auf die Frage von CNN, ob sie weiterhin Lieferroboter blockieren werde, antwortete sie mit Ja.
Ihr Protest richtet sich nach wie vor gegen Geräte, die auf Gehwegen unterwegs sind und in denen sie eine fragwürdige Inbesitznahme des öffentlichen Raums durch Technologieunternehmen sieht.