Agile Robots fertigt Humanoide bei München in Serie – meist auf Rädern, weil Normen für Zweibeiner fehlen

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Vier kollaborative Roboterarme montieren unter blauer Beleuchtung ein mechanisches Bauteil an einer automatisierten Produktionslinie
Ein teilmontierter humanoider Roboter in der Produktionshalle in Fürstenfeldbruck, wo die Serienfertigung Ende des Sommers 2026 angelaufen ist.

In einer 10.000 Quadratmeter großen Halle in Fürstenfeldbruck, 25 Kilometer von München entfernt, montiert Agile Robots humanoide Roboter. Nach Angaben des Unternehmens begann die Produktion dort im Januar 2026, Ende des Sommers ging die Linie in Serie. Sechs Monate vor dem Start stand das Gebäude noch leer.

Agile Robots kommt nicht aus der humanoiden Robotik. Der Hersteller gibt an, weltweit mehr als 20.000 Automatisierungslösungen installiert zu haben, und fertigt seit Jahren Roboterarme und Cobots in Kaufbeuren, rund 90 Kilometer südwestlich von München. Ein humanoider Roboter ist jedoch deutlich größer als ein Arm und besteht aus wesentlich mehr Teilen. Laut Unternehmen erforderte er deshalb einen eigenen Standort, den Kaufbeuren zusätzlich zur bestehenden Produktion nicht hätte aufnehmen können.

Für Fürstenfeldbruck sprach die Nähe: Bis zu den Münchner Büros und Forschungslabors sind es 25 Kilometer. Ein Ingenieur ist in einer halben Stunde bei den Teams, die ein gerade erst entwickeltes Bauteil montieren. Das zählt, solange sich das Produkt beim Produktionsanlauf noch verändert. Wie das Unternehmen erläutert, mussten Halle, Arbeitsstationen, Lieferantenqualifizierung und Personalgewinnung parallel vorangetrieben werden, und das für einen Roboter, der seine endgültige Form noch nicht erreicht hatte.

Automatisierte und manuelle Fertigung in einer Halle

Produktionsgang mit modularen Arbeitsstationen und der Aufschrift „Agile ONE Production area“ in einer Industriehalle, im Hintergrund zwei Mitarbeiter
Am Standort Fürstenfeldbruck gibt es zwei Arten von Linien: automatisierte Linien für Arme und Torsos sowie manuelle Montageplätze für komplette Einheiten.

Am Standort laufen zwei Arten von Produktionslinien nebeneinander. Die Linien, auf denen Arme und Torsos montiert werden, sind vollständig automatisiert: repetitive Arbeit, enge Toleranzen, ebenfalls automatisierte Tests. Mobile Roboter bewegen die Teile zwischen den Stationen, laut Unternehmen ohne Förderbänder und ohne vorab kartierte Routen. Fast nichts ist am Boden befestigt, sodass sich die Stationen versetzen lassen, während die Linie ausreift.

Weiter hinten ändert sich der Maßstab. Wo die Teile in eine Hand passen, übernehmen wieder Menschen die Arbeit. Hier wird die selbst entwickelte, geschickte Roboterhand montiert, die Agile Hand: Ein Techniker arbeitet jeweils an einer einzigen Hand und setzt die Sensoren ein, die in jeder Fingerspitze sitzen. Auch die Endmontage übernehmen Mitarbeiter. Agile Robots bezeichnet diese beiden Stationen als die schwierigsten im ganzen Gebäude.

Der Grund liegt in der Eigenentwicklung. Laut Unternehmen sind die Agile Hand und der Kraft-Momenten-Sensor in jedem Gelenk eigene Entwicklungen, die kein Zulieferer verkauft und die außerhalb der eigenen Werke noch nie jemand montiert hat. Ein kompletter Roboter braucht drei bis vier Tage, um die Fabrik von der ersten Station bis zur fertigen Einheit zu durchlaufen.

Warum die meisten humanoiden Roboter auf Rädern ausgeliefert werden

Techniker bearbeitet ein Elektronikbauteil an einem humanoiden Roboter, der in einer Montagewerkstatt an einem Hebeportal hängt
Die meisten der heute ausgelieferten humanoiden Roboter fahren auf Rädern, da es in Europa und Nordamerika keinen Rechtsrahmen für zweibeinige Modelle gibt.

In der Halle entstehen sowohl Maschinen mit Beinen als auch mit Rädern. Nach Angaben des Unternehmens fährt der Großteil der derzeit ausgelieferten Geräte jedoch auf Rädern. Das ist ebenso eine regulatorische wie eine technische Entscheidung. Agile Robots zufolge gibt es in Europa und Nordamerika bislang weder einen Rechtsrahmen für zweibeinige humanoide Roboter, die neben Menschen arbeiten, noch Normen, nach denen sie zertifiziert werden könnten. Die Plattformen auf Rädern sind laut Unternehmen bereits zertifiziert und können daher schon jetzt in der Fabrik eines Kunden eingesetzt werden, statt darauf zu warten, dass die Regeln geschrieben werden.

Die Fertigung im eigenen Haus war laut Agile Robots eine frühe strategische Entscheidung. Während viele Hardwarehersteller die Produktion an Auftragsfertiger vergeben, um sich auf die Entwicklung zu konzentrieren, konstruiert und baut das Unternehmen seine Roboter selbst. Das verschafft ihm direkten Zugriff auf reale Produktionsdaten.

„Große Mengen hochwertiger Daten sind der Weg, auf dem wir Physical-AI-Produkte so schnell wie möglich aus dem Labor in die Produktionslinie bringen“, sagt Dr. Zhaopeng Chen, CEO und Gründer von Agile Robots.

Die mobilen Roboter, die die Teile von Station zu Station transportieren, wurden vor Ort gebaut. Jede Fahrt wird aufgezeichnet, und diese Daten sollen nach Angaben des Unternehmens ihre Nachfolger verbessern.

Luftaufnahme eines robotisierten Produktionsbereichs mit mehreren durch Schutzgitter abgetrennten Zellen und arbeitenden kollaborativen Robotern
Die mobilen Roboter, die Komponenten zwischen den Stationen transportieren, wurden vor Ort gebaut. Ihre Fahrten werden aufgezeichnet, um künftige Versionen zu verbessern.