Boston Dynamics stellt Spot 5.2 vor, ein Update für seinen vierbeinigen Industrieroboter, das Google Gemini, Videoinspektionen und die Überwachung neuer Risiken kombiniert. Auch die Plattform Orbit wird weiterentwickelt: Sie verknüpft Warnmeldungen von Anlagen mit den Einsätzen des Roboters.
Mit dieser Version will Boston Dynamics Spot besser in die Überwachungs- und Wartungssysteme einbinden, die in Fabriken bereits im Einsatz sind. Der US-Hersteller erweitert die Inspektionsfunktionen des bereits erhältlichen Roboters und entwickelt seine Software Orbit weiter, um Industriedaten zentral zu bündeln. Erklärtes Ziel ist es, dass Wartungsteams Robotereinsätze auf Grundlage von Informationen aus mehreren Systemen auslösen können.
Google Gemini wertet jetzt Inspektionsbilder und -videos aus
Die neue Spot-Version weitet den Einsatz von Google Gemini in Orbit AIVI aus, dem System für visuelle Intelligenz von Boston Dynamics. Laut Hersteller ist das Modell mit Industriedaten trainiert, um bestimmte Situationen zu erkennen, etwa bei der Inspektion von Messanzeigen, Kontrollleuchten, Paletten, Füllständen und 5S-Organisationstafeln.
Neu sind zudem Videoinspektionen, die mit AIVI-Learning verfügbar sind. Bislang konzentrierten sich diese Inspektionen auf punktuelle visuelle Beobachtungen. Nun können sie Videosequenzen auswerten, um Anomalien zu erkennen, die auf einem Standbild nur schwer auszumachen sind.
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Boston Dynamics nennt mehrere industrielle Anwendungen:
- Wassertropfen an Pumpen oder Motoren erkennen, die zu Pfützen oder Korrosion führen können.
- Schlupf an Förderbändern feststellen, der Produktionsunterbrechungen verursachen kann.
- Kontrollleuchten überwachen, die eine Störung an einer Anlage anzeigen.
Boston Dynamics präsentiert diese Funktionen als neue softwareseitige Inspektionsfähigkeiten. Die Beispiele zeigen Situationen, für deren Erkennung das System ausgelegt ist, und keine im laufenden Betrieb gemessenen Erfolgsquoten.
Spot 5.2 überwacht Gefahren in Industrieanlagen
Zudem führt Boston Dynamics eine Funktion namens Site Scans ein. Sie nutzt AIVI-Learning, um die Bilder von Site View 360° zu analysieren und in einer Industrieumgebung nach vorübergehenden Gefahren zu suchen.
Das System kann unter anderem nach ausgelaufener Flüssigkeit, einer Person in einem Sperrbereich oder einer verdächtigen Tasche suchen.
Anders als Inspektionen, die einer bestimmten Maschine zugeordnet sind, überwacht Site Scans Situationen, die an verschiedenen Stellen einer Anlage auftreten können. Laut Boston Dynamics erstreckt sich die Überwachung standardmäßig auf das gesamte Gelände, Nutzer können aber bestimmte Bereiche und Zeitfenster auswählen.
Gasdetektion, Schwingungsanalyse und Teilentladungserkennung für die Wartung
Version 5.2 bringt drei neue Funktionen für die vorausschauende Wartung: Gasdetektion, visuelle Schwingungsanalyse und die Erkennung von Teilentladungen.
Durch die Integration der Lösung MFE Spot Connected Gas Detection kann Spot nach Angaben von Boston Dynamics während seiner regulären Einsätze autonom und in Echtzeit mehr als 20 Gasarten überwachen. Die Messwerte zur Luftzusammensetzung werden direkt an Orbit übertragen.
Die visuelle Schwingungsanalyse beruht darauf, Bewegungen zu verstärken, die zu schwach sind, um sie mit bloßem Auge wahrzunehmen. Mit dieser Technik lässt sich das mechanische Verhalten von Maschinen untersuchen, um nach Anzeichen von Anomalien zu suchen.
Für die Teilentladungserkennung kommt der Sorama L642 zum Einsatz. Sie richtet sich an elektrische Hochspannungsanlagen, insbesondere Kabel, Durchführungen und Transformatoren, und soll frühe Anzeichen einer nachlassenden Isolierung aufspüren.
Orbit verknüpft Spot-Inspektionen mit den Anlagen im Werk
Die zweite große Neuerung betrifft Orbit, die Plattform von Boston Dynamics zur Verwaltung der Roboter und der Inspektionsdaten.
Mit dem Update ordnet Orbit die Informationen nach Industrieanlagen und nicht mehr ausschließlich nach den durchgeführten Inspektionen. Unternehmen können ihre Anlagenstrukturen importieren, Metadaten hinterlegen und jede Maschine mit den zugehörigen Beobachtungen verknüpfen.
Zu diesen Metadaten können Standort, Anlagentyp, Kritikalität, Hersteller und Modell gehören.
Über die neuen Dashboards kann etwa ein Wartungsleiter die Anomalien aller Pumpen einer Anlage einsehen oder nur die eines bestimmten Bereichs. Mit Filtern lassen sich Warnmeldungen zudem gezielt an die zuständigen Teams weiterleiten.
Laut Boston Dynamics lässt sich diese Struktur sowohl in neuen als auch in bestehenden Orbit-Installationen nutzen. Sie rückt die Plattform näher an industrielle Managementsysteme wie CMMS, MES und EAM heran.
KI-Agenten sollen Spot-Einsätze über externe Warnmeldungen auslösen
Über ihre Programmierschnittstellen erleichtert die neue Architektur von Orbit zudem die Einbindung von Daten aus externen Sensoren, speicherprogrammierbaren Steuerungen (PLC) oder Sicherheitskameras.
Boston Dynamics bezeichnet diese Neuerung als Grundlage für eine neue MCP-Schicht, über die KI-Agenten an die physischen Abläufe des Roboters angebunden werden sollen.
Der Hersteller beschreibt unter anderem ein Szenario, in dem ein fest installierter Sensor eine Anomalie erkennt und daraufhin Spot losgeschickt wird, um zusätzliche Informationen zu sammeln. Eine weitere Anwendung besteht darin, eine Inspektion nur dann auszulösen, wenn eine Maschine in Betrieb ist.
Im Sicherheitsbereich könnte zudem eine Überwachungskamera oder ein Sensor eines Drittanbieters den Roboter in einen Bereich schicken, in dem eine Bewegung erkannt wurde.
Diese Szenarien veranschaulichen die automatisierten Arbeitsabläufe, die Boston Dynamics vorsieht. Ausgelöst werden sie auf Basis von Geschäftsregeln und der Integration der verschiedenen Industriesysteme.
Softwareupdate für den bereits erhältlichen Spot
Spot 5.2 ist eine Weiterentwicklung der Software des bestehenden vierbeinigen Industrieroboters und kein neues Hardwaremodell. Begleitend zur Ankündigung veröffentlicht Boston Dynamics Versionshinweise zu Spot 5.2.0 für Nutzer, die ihr System aktualisieren möchten.
Die Neuerungen betreffen sowohl die Inspektionsfunktionen an Bord als auch die Integration zusätzlicher Geräte und die Auswertung der Informationen in Orbit. Einige Funktionen wie die Videoinspektion setzen AIVI-Learning voraus, die neuen Gas- und Teilentladungsmessungen erfordern dagegen spezielle Hardwarelösungen.
Für Unternehmen, die Spot bereits einsetzen, liegt die greifbarste Neuerung darin, die Daten des Roboters mit denen fest installierter Anlagen zu verknüpfen und Anomalien anschließend direkt in Orbit nach Maschine oder Bereich einzusehen.
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