
Laplace Intelligence entwickelt eine Simulationsplattform, die mithilfe von KI-Agenten gefährliche Situationen herbeiführt und Roboter vor ihrem Einsatz testet. Das aus der University of Michigan hervorgegangene Startup hat bereits Industriekunden und sucht nach Kapitalgebern.
Laplace Intelligence mit Sitz in Ann Arbor in den USA nimmt einen Markt ins Visier, der sich gerade erst entwickelt: die Überprüfung der Sicherheit von KI-Systemen, die in der physischen Welt handeln können. Der Ansatz des Unternehmens besteht darin, adversariale Tests, sogenanntes „Red Teaming“, zu automatisieren. So sollen mögliche Fehler von Robotern, autonomen Fahrzeugen und intelligenten Verkehrsleitsystemen aufgedeckt werden.
Ausgründung aus der Hochschulforschung in den USA
Laplace Intelligence wurde 2025 von Howie Sun als CEO und Henry Liu als wissenschaftlichem Leiter gegründet. Die beiden Gründer haben ihre Technologie auf Grundlage von Arbeiten an der University of Michigan entwickelt.
Howie Sun gibt an, acht Jahre universitärer Forschung in Methoden investiert zu haben, mit denen sich autonome Fahrsysteme in simulierten Umgebungen gezielt in Schwierigkeiten bringen lassen. 2023 veröffentlichte er gemeinsam mit Henry Liu eine Studie zu diesem Thema in der Fachzeitschrift Nature.
Die Arbeiten weckten das Interesse von Herstellern und Entwicklern autonomer Fahrzeuge. Anschließend gründeten die beiden Forscher Laplace Intelligence, um ihre experimentellen Methoden in ein kommerzielles Produkt zu überführen.
Das Unternehmen nahm am Startup Battlefield 200 teil, einem Wettbewerb im Rahmen der TechCrunch Disrupt, die vom 13. bis 15. Oktober 2026 in San Francisco stattfand. Es gehörte zu den 20 Startups, die für eine Präsentation ihres Geschäfts bei diesem Wettbewerb ausgewählt worden waren.
KI-Agenten erzeugen virtuelle Unfälle in der Simulation
Die Technologie von Laplace basiert auf einer Simulationsumgebung, die aus realen geografischen und visuellen Daten aufgebaut wird. Dabei kommt eine angepasste Version von Cosmos zum Einsatz, der von Nvidia entwickelten Plattform zur Simulation der physischen Welt.
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Das System kann etwa eine Autobahn in Arizona oder einen Fußgängerüberweg in Paris nachbilden. Die Umgebungen kombinieren Landkarten, Referenzbilder und Verkehrsdaten. Laut Howie Sun nutzt Laplace zudem Verkehrsinformationen von Navigationsdiensten wie TomTom.
Entwickler können die Verkehrsbedingungen über Anweisungen in natürlicher Sprache verändern. Fahrzeuge und andere virtuelle Verkehrsteilnehmer reagieren daraufhin auf die Veränderungen in ihrer Umgebung.
Bei einer Vorführung wies Howie Sun ein simuliertes Fahrzeug an, auf die Gegenfahrbahn auszuscheren. Das entgegenkommende Fahrzeug reagierte mit einem Ausweichmanöver. Die Vorführung veranschaulicht die interaktive Funktionsweise des Simulators, ist aber kein Maßstab für die Sicherheit im realen Straßenverkehr.
Die kommerzielle Besonderheit von Laplace liegt in KI-Agenten, die kritische Szenarien automatisch entwerfen. Diese Agenten können Nachrichtenmeldungen, Polizeiberichte zu Unfällen und weitere Informationen auswerten, um ungewöhnliche Situationen zu konstruieren, die Schwachstellen offenlegen sollen.
Ziel ist es, den manuellen Aufwand bei der Erstellung von Testszenarien zu verringern. Diese beruhen bislang üblicherweise auf Fahraufzeichnungen oder auf Situationen, die sich Ingenieure ausgedacht haben.
Erste Kunden: Bot Auto und ein japanischer Autohersteller
Laplace Intelligence erzielt bereits Umsatz und arbeitet in bescheidenem Umfang profitabel. Das geht aus Aussagen der Unternehmensführung hervor, über die am 19. Oktober 2026 berichtet wurde.
Der Großteil der Einnahmen stammt derzeit aus Anwendungen rund um das autonome Fahren. Zu den Kunden zählen Bot Auto, ein auf autonome Lkw spezialisiertes Unternehmen aus Texas, sowie ein großer japanischer Autohersteller.
Die Verträge von Laplace werden überwiegend projektbezogen abgeschlossen. Das Unternehmen will schrittweise wiederkehrende Umsätze aufbauen, statt ausschließlich von Einzelaufträgen abzuhängen.
Diese Weiterentwicklung des Geschäftsmodells geht mit dem Ziel einher, den Kundenkreis über die Autobranche hinaus zu erweitern.
Smart-City-Projekt mit Nvidia, T-Mobile und San José
Laplace arbeitet zudem mit Nvidia und T-Mobile an einem kostenlosen Pilotprojekt zur Verkehrssteuerung im kalifornischen San José.
Der Versuch betrifft die Verkehrssteuerung auf Ebene der gesamten Stadt. Er zeigt einen weiteren möglichen Einsatzbereich der Simulationstechnik jenseits von Tests mit autonomen Fahrzeugen.
Parallel dazu ist Laplace erste Kooperationen mit Partnern eingegangen, die humanoide Roboter für Lagerhäuser entwickeln.
Howie Sun betont, dass Universalroboter über weniger Erfahrungsdaten verfügen als autonome Fahrzeuge. Das erschwert es, seltene Ereignisse, mit denen diese Maschinen in Arbeitsumgebungen konfrontiert werden könnten, im Voraus zu erkennen.
Finanzierungsrunde geplant: Konkurrenz durch Applied Intuition
Laplace Intelligence will nun Kapital einwerben, um sein Geschäft auszubauen und seine Position gegenüber etablierten Anbietern von Simulations- und Validierungssoftware für autonome Systeme zu stärken.
Der Konkurrent Applied Intuition verfügt über deutlich größere finanzielle Mittel. Nach Zahlen, über die TechCrunch am 19. Oktober 2026 berichtete, hat das Unternehmen insgesamt 1,2 Milliarden Dollar an Finanzierung eingesammelt und eine Post-Money-Bewertung von 15 Milliarden Dollar erreicht. Diese Beträge beziehen sich auf Applied Intuition, nicht auf Laplace Intelligence.
Howie Sun sieht in der Fähigkeit seiner KI-Agenten, selbstständig nach Fehlern zu suchen, das wichtigste Unterscheidungsmerkmal von Laplace. Das Unternehmen will Herstellern von Robotern und autonomen Fahrzeugen damit eine interaktive Validierungsmethode anbieten, bei der ihre Systeme fortlaufend mit neuen Szenarien konfrontiert werden.
Kurzfristig will Laplace die bei der TechCrunch Disrupt gewonnene Aufmerksamkeit nutzen, um die Suche nach Geldgebern voranzutreiben, das Geschäft auszuweiten und projektbezogene Verträge schrittweise in wiederkehrende Umsätze umzuwandeln.