Neura 4NE1: Vierte Generation soll 20 % leichter sein und ist auf Serienfertigung ausgelegt

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Der humanoide Roboter 4NE1 der vierten Generation von Neura Robotics mit schlankerer Silhouette und schwarzer Textilverkleidung
Der humanoide Roboter 4NE1 der vierten Generation von Neura Robotics hat eine schlankere Silhouette und eine schwarze Textilverkleidung. © NEURA Robotics

Neura Robotics hat in München die vierte Generation seines humanoiden Roboters 4NE1 vorgestellt. Laut Hersteller ist das Modell 20 % leichter. Der 64 kg schwere Roboter verfügt über neue reaktive Gliedmaßen und verbesserte Hände. Seine Architektur ist auf die Serienfertigung ausgelegt.

Das deutsche Unternehmen präsentierte die Neuentwicklung bei der Eröffnung des TUM RoboGym, eines Trainingszentrums für Robotik an der Technischen Universität München (TUM). Der neue 4NE1 kombiniert eine überarbeitete Mechanik mit Neuron AI, dem von Neura Robotics entwickelten Modell für physische Intelligenz. Das Unternehmen bezeichnet diese Generation als Schritt hin zum industriellen Einsatz und zur Serienproduktion seines humanoiden Roboters.

Neura 4NE1: 1,8 m groß, 64 kg schwer und mit Textilverkleidung

Neura Robotics gibt eine Gewichtsreduzierung von 20 % gegenüber der Vorgängergeneration an. Nach den technischen Daten des Herstellers ist der neue 4NE1 1,8 m groß und wiegt rund 64 kg.

Die Silhouette ist schlanker geworden, auch das Erscheinungsbild hat sich verändert. Der Roboter ist nun mit einem weichen schwarzen Stoff verkleidet. Bei der Vorgängerversion waren die mechanischen Elemente dagegen nicht mit Textil verkleidet.

Laut Neura soll die Verkleidung den Roboter zugänglicher wirken lassen und ihn besser für Umgebungen eignen, in denen Menschen und Maschinen zusammenarbeiten.

Smart Limbs: schnellere Reaktionen und präzisere Bewegungen

Die vierte Generation des 4NE1 verfügt über sogenannte Smart Limbs, also Gliedmaßen, die eigenständig auf Einwirkungen aus ihrer Umgebung reagieren können. Mit dieser Architektur soll der Roboter seine Bewegungen schneller anpassen können, ohne jedes Mal auf eine übergeordnete Koordination angewiesen zu sein.

Weißer humanoider Roboter mit schwarzem Mittelteil auf einer fahrbaren Basis mit Rädern und mit Gelenkarmen
Der neue 4NE1 ist 1,8 m groß und wiegt 64 kg, das sind 20 % weniger als bei der Vorgängergeneration. © NEURA Robotics

Neura Robotics verspricht dadurch schnellere Reaktionen sowie präzisere und flüssigere Bewegungen. Zudem wurden die Hände überarbeitet. Sie sollen präziser greifen als beim Vorgängermodell.

Die Neuerungen zielen vor allem auf Handhabungsaufgaben in der Industrie. Dort kommt es darauf an, eine Bewegung je nach Kontakt mit einem Objekt anzupassen.

Neuron AI verknüpft Bild-, Tast- und Kraftdaten zur Robotersteuerung

Der neue 4NE1 nutzt Neuron AI, das proprietäre Modell für physische Intelligenz von Neura Robotics. Es verbindet die Wahrnehmung des Roboters mit den physischen Aktionen, die er ausführen soll.

Das System kombiniert mehrere Arten von Daten:

  • Visuelle Informationen aus den Sensoren des Roboters.
  • Taktile Daten, die bei Berührungen erfasst werden.
  • Kräfte, die bei der Handhabung auftreten.
  • Akustische Informationen aus der Umgebung.
  • Daten zum allgemeinen Zustand des Roboters.

Damit soll der 4NE1 unter anderem prüfen können, ob montierte Bauteile richtig befestigt sind. Eine solche Kontrolle erfordert mehr als eine rein visuelle Analyse, denn mechanische Kräfte und Kontakte müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Laut Neura verbindet Neuron AI Wahrnehmung, Sprachverständnis und Handlung, um diese verschiedenen Informationen in Bewegungsbefehle umzusetzen.

Neura Gyms: Training humanoider Roboter für Industrieaufgaben

Neura Robotics setzt auf eigene Trainingszentren, die Neura Gyms, um die praktischen Fähigkeiten seiner Roboter zu entwickeln. Das Training kombiniert reale Roboterdaten, Demonstrationen durch Menschen und Simulationen.

Reihe weißer humanoider Roboter mit schwarzem Kopf und dunkler Textilverkleidung am Oberkörper
Die weiche schwarze Textilverkleidung ersetzt die offen sichtbare Mechanik der früheren Versionen. © NEURA Robotics

Die erlernten Fähigkeiten lassen sich anschließend auf mehrere vernetzte Roboter übertragen. In den Zentren werden die Fähigkeiten zudem in praxisnahen Situationen getestet. Ziel ist es, die humanoiden Roboter auf industrielle Anwendungen vorzubereiten.

Nach Angaben des Herstellers ist die vierte Generation des 4NE1 für die Serienfertigung konzipiert. Diese industrielle Ausrichtung begleitet die Vorstellung des neuen Modells, ist jedoch keine Ankündigung von Markteinführung oder Auslieferung.

Dreijährige Kooperation mit der Technischen Universität München

Im TUM RoboGym sollen Roboterfähigkeiten entwickelt und getestet werden, die den Anforderungen von Unternehmen entsprechen. Das Zentrum bringt Forschende und Industriepartner auf einer gemeinsamen Forschungs- und Trainingsinfrastruktur zusammen.

Die Zusammenarbeit zwischen Neura Robotics und der Technischen Universität München ist auf drei Jahre angelegt. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 17 Millionen Euro, davon trägt Neura Robotics 11 Millionen Euro.

Neura stellt im Rahmen der Partnerschaft Roboter, technische Ausrüstung, Rechenleistung und Betriebspersonal bereit. Die TUM bringt die Räumlichkeiten, ihre wissenschaftliche Expertise und die Ressourcen ein, die für die Forschung und den Betrieb des Zentrums nötig sind.

Im TUM RoboGym sollen Unternehmen Robotikanwendungen gemeinsam mit den Forschenden testen können. Die Ergebnisse dieser Versuche sollen anschließend in neue wissenschaftliche Arbeiten einfließen.