Atlas sortiert bei Hyundai Autoteile autonom, doch bis zum festen Einsatz in der Produktion könnten Jahre vergehen

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Der Roboter Atlas misst 175 cm bei 90 kg
Atlas misst 175 cm bei 90 kg und arbeitet mit einer vollelektrischen Architektur, die die Hydraulik früherer Generationen ersetzt.

Der humanoide Roboter Atlas von Boston Dynamics sortiert bei Hyundai Fahrzeugbauteile. Mithilfe von künstlicher Intelligenz, Teleoperation und Simulation lernt er menschliche Bewegungsabläufe und erledigt so bestimmte Aufgaben ohne direktes Eingreifen.

Am 17. Oktober 2026 zeigen die Fortschritte bei industriellen humanoiden Robotern eine wichtige Entwicklung: Die Maschinen lernen komplexe Bewegungen inzwischen anhand menschlicher Vorführungen. Bei Boston Dynamics steht Atlas für diesen Ansatz. Der US-Hersteller, der mehrheitlich zu Hyundai gehört, entwickelt einen humanoiden Roboter für den Einsatz in Industrieumgebungen, Seite an Seite mit den Beschäftigten.

Atlas sortiert Autoteile autonom im Hyundai-Werk

In einem Hyundai-Autowerk sortiert Atlas Dachrelingteile, die für eine Montagelinie bestimmt sind. Dieser Vorgang wird als autonom dargestellt: Der Roboter erledigt die Aufgabe, ohne dass ein Bediener jede seiner Bewegungen direkt steuert.

Laut offiziellem Datenblatt von Boston Dynamics ist der Roboter 1,9 m groß und wiegt 90 kg. Seine vollelektrische Konstruktion ersetzt die hydraulische Architektur früherer Generationen.

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2021 standen bei den Vorführungen von Atlas vor allem Laufen und Springen im Vordergrund. Die neue Generation setzt stärker auf maschinelles Lernen und nutzt NVIDIA-Prozessoren, um die Informationen zu verarbeiten, die sie für die Fortbewegung und das Greifen von Objekten benötigt.

Das in diesem Zusammenhang vorgestellte Hyundai-Werk beschäftigt den genannten Zahlen zufolge mehr als 1.000 Industrieroboter neben knapp 1.500 Menschen. Die Anlagen übernehmen unter anderem Hebe-, Press- und Schweißarbeiten.

Atlas befindet sich noch in der Entwicklung und wird schrittweise in die Industrie eingeführt. Bis er dauerhaft in die Produktionsteams von Hyundai integriert ist, könnten mehrere Jahre vergehen.

Teleoperation: So lernt Atlas neue Bewegungen

Geleitet wird die Entwicklung von Atlas unter anderem von Zach Jackowski, Maschinenbauingenieur mit Abschluss am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

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Für das Training des Roboters greifen die Teams von Boston Dynamics auf Vorführungen von Menschen zurück. Kevin Bergerman, Spezialist für maschinelles Lernen, der an Atlas arbeitete, bevor er zu Google DeepMind wechselte, steuerte die Arm- und Handbewegungen des humanoiden Roboters unter anderem mit einem VR-Headset.

Das Prinzip: Die Bewegungen eines Bedieners werden aufgezeichnet, anschließend dienen diese Daten zum Training der KI-Modelle des Roboters. Atlas kann danach bestimmte Handlungen ohne ständige Teleoperation nachvollziehen.

Ein weiteres Verfahren beruht auf Motion Capture des menschlichen Körpers. Sensoren erfassen Bewegungen, Gesten und Körperhaltungen einer Person, die einen entsprechenden Anzug trägt. Die Ingenieure übertragen diese Bewegungen anschließend auf den Körperbau des Roboters.

Auf diese Weise lassen sich Verhaltensweisen vermitteln, die von Hand nur schwer zu programmieren sind. Bei der Vorbereitung des Lernprozesses bleibt der Mensch dennoch beteiligt.

Humanoider Roboter hantiert mit Bauteilen auf einem Tablett, im Zusammenhang mit dem Erlernen industrieller Sortierbewegungen
Atlas misst 1,9 m bei 90 kg und arbeitet mit einer vollelektrischen Architektur, die die Hydraulik früherer Generationen ersetzt.

Simulation: Mehr als 4.000 virtuelle Atlas-Roboter sechs Stunden lang trainiert

Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt ist die Simulation. Nach den vorgestellten Angaben zu den Arbeiten von Boston Dynamics wurden mehr als 4.000 digitale Kopien von Atlas sechs Stunden lang in einer virtuellen Umgebung trainiert.

Die Simulationen bauen verschiedene physische Hürden ein: rutschige Böden, steife Gelenke oder eingeschränkte Bewegungen. So lassen sich deutlich mehr Lernsituationen erzeugen, ohne entsprechend viele echte Roboter einzusetzen.

Die erlernten Verhaltensweisen können anschließend auf den realen Roboter übertragen werden. Mit dieser Methode entstanden unter anderem Bewegungen wie das Krabbeln auf allen vieren und der Radschlag.

Diese Vorführungen zeigen, wie beweglich Atlas ist, belegen aber keine umfassende Vielseitigkeit im Alltag. Tätigkeiten wie sich anzuziehen oder eine Tasse Kaffee zuzubereiten und zu tragen, bleiben für Roboter dieser Art besonders schwierig.

Spot: Industrieerfahrung mit dem Laufroboter fließt in Atlas ein

Bei der Entwicklung von Atlas profitiert Boston Dynamics zudem von den Erfahrungen mit Spot, seinem vierbeinigen Roboter, der bereits in Industrieanlagen im Einsatz ist.

Spot verfügt unter anderem über Kameras sowie Wärme- und Akustiksensoren, mit denen er Informationen über seine Umgebung sammelt. Er übernimmt Inspektionen, Sicherheitskontrollen und die Überwachung von Anlagen.

In den Hyundai-Werken unterstützt Spot die Qualitätskontrolle, etwa indem er prüft, ob Bauteile an den Fahrzeugen vorhanden sind.

Anders als Atlas, dessen industrielle Entwicklung noch läuft, ist Spot eine kommerziell erhältliche Plattform, die in Hunderten Anlagen weltweit im Einsatz ist, so die vorgestellten Angaben zu seiner Nutzung.

Aus diesen Erfahrungen gewinnt Boston Dynamics Wissen darüber, wie sich mobile Roboter in berufliche Umgebungen einbinden, überwachen und warten lassen.

Google DeepMind: Roboter, die Anweisungen in natürlicher Sprache verstehen

Die Fortschritte von Atlas sind Teil einer breiteren Entwicklung der künstlichen Intelligenz in der Robotik. Bei Google DeepMind befasst sich die Forschung unter anderem damit, wie Maschinen ihre Umgebung verstehen und in natürlicher Sprache formulierte Anweisungen ausführen können.

Die Forscher Alex Lee und Julia Vassallo haben eine Vorführung präsentiert, in der ein Roboter eine Anweisung deutet, die auf einer Farbkombination beruht. Ausgehend von einer Anweisung, in der von der Mischung aus Gelb und Blau die Rede ist, erkennt das System Grün und wählt die passenden Gegenstände aus.

Die Vorführung zeigt eine Fähigkeit zum Schlussfolgern, angewandt auf eine Greifaufgabe. Sie unterscheidet sich von vorprogrammierten Bewegungen, denn das System muss die Anweisung erst interpretieren, bevor es handelt.

Demis Hassabis, Mitgründer und CEO von Google DeepMind, betont allerdings, wie wichtig die Kontrolle von KI-Systemen wird, je leistungsfähiger sie werden. Er verweist insbesondere auf das Risiko missbräuchlicher Nutzung und auf die Notwendigkeit, das Verhalten der Maschinen innerhalb von Grenzen zu halten, die Menschen festlegen.

Grenzen humanoider Industrieroboter: Training und Aufsicht bleiben nötig

Die Fortschritte humanoider Roboter werfen Fragen nach ihrer Rolle in den Fabriken und nach den Folgen für die Beschäftigung auf. Die Hersteller erwägen insbesondere, den Maschinen bestimmte monotone, körperlich belastende oder gefährliche Tätigkeiten zu übertragen.

Die Vorführungen von Atlas zeigen, dass ein humanoider Roboter nach entsprechendem Training eine eng umrissene Industrieaufgabe autonom erledigen kann. Diese operative Autonomie bedeutet aber nicht, dass er sämtliche Tätigkeiten eines Beschäftigten ohne Vorbereitung und Aufsicht übernehmen kann.

Konstruktion, Training, Wartung und Integration der Roboter bleiben Aufgaben von Menschen. Die Beschäftigten wirken zudem daran mit, die Aufgaben festzulegen und den Einsatz der Roboter zu begleiten.

Für Unternehmen, die den Einsatz humanoider Roboter erwägen, ist diese Unterscheidung entscheidend: Eine in einer Industrieumgebung vorgeführte Tätigkeit lässt sich nicht zwangsläufig sofort auf jeden Produktionsstandort übertragen.

Hyundai baut seine Position bei humanoiden Robotern aus

Hyundai hält laut den vorgestellten Angaben 88 % der Anteile an Boston Dynamics. Mit dieser Beteiligung steht der Autohersteller im Zentrum der industriellen Entwicklung von Atlas.

Zur Konkurrenz zählen unter anderem Tesla und mehrere chinesische Unternehmen. Daneben entwickeln auch von NVIDIA oder Amazon unterstützte Firmen Robotiktechnologien.

Langfristig will Hyundai Roboter einsetzen, die neben Menschen arbeiten und Aufgaben übernehmen, die zu ihren körperlichen und softwareseitigen Fähigkeiten passen.

Der nächste industrielle Schritt für Atlas besteht darin, von Vorführungen und eng umrissenen Einsätzen zur regelmäßigen Nutzung in den Fertigungsprozessen überzugehen, mit antrainierten Fähigkeiten und einer Aufsicht, die auf die jeweiligen Aufgaben zugeschnitten ist.

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