Über 5 Millionen Industrieroboter: Bediener müssen Fehlentscheidungen der Maschinen anfechten können

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Industrieller Roboterarm im Einsatz in einer modernen Fertigungshalle
Die International Federation of Robotics zählt für 2025 weltweit mehr als 600.000 neu installierte Industrieroboter. © Robotique Store

Der weltweite Bestand an Industrierobotern hat 2025 laut der International Federation of Robotics die Marke von 5 Millionen Einheiten überschritten. Mit steigenden Taktzahlen müssen Industrieunternehmen zudem regeln, wie Bediener automatisierte Entscheidungen anfechten können.

Ein Industrieroboter kann seine Taktvorgaben einhalten und trotzdem eine anfechtbare Entscheidung treffen. Für Hersteller, die ihre Linien automatisieren, geht es um mehr als die Leistung der Maschinen. Beschäftigte müssen Auffälligkeiten melden, ihre Beobachtungen weitergeben und eine Klärung erwirken können, bevor sich ein Fehler auf mehrere Produktionszyklen auswirkt.

Mehr als 600.000 neu installierte Industrieroboter im Jahr 2025

Nach Zahlen, die die International Federation of Robotics (IFR) im September veröffentlicht hat, ist der weltweite Bestand an Industrierobotern im Betrieb 2025 auf über 5 Millionen Einheiten gestiegen. Zudem meldet die Organisation mehr als 600.000 Neuinstallationen im selben Jahr.

Mit der wachsenden Zahl automatisierter Anlagen gewinnen Verfahren der menschlichen Kontrolle in den Fabriken an Bedeutung. Produktivitätsgewinne müssen mit Mechanismen einhergehen, über die Bediener eine Klassifizierung oder eine Anweisung eines automatisierten Systems anfechten können.

ABB IRB 1700: laut Hersteller bis zu 20 % kürzere Zykluszeiten

Die technische Entwicklung verschärft diese Frage. Die am 20. Oktober vorgestellten neuen Industrieroboter ABB IRB 1700 sollen laut ABB bis zu 20 % kürzere Zykluszeiten erreichen und zudem Verbesserungen bei Präzision und Energieeffizienz bieten.

Schnellere Zyklen können Herstellern helfen, ihre Aufträge zu erfüllen. Zugleich bleibt weniger Zeit, ein unerwartetes Ergebnis zu erkennen und zu erklären. Ein klar definiertes Eskalationsverfahren gewinnt damit an Bedeutung, um zu verhindern, dass sich eine Fehlentscheidung im weiteren Produktionsverlauf wiederholt.

Drei Szenarien: Reaktion der Teams vor der Inbetriebnahme testen

Bei der Vorbereitung einer Roboteranlage geht es nicht nur um die technische Leistung. Nicola Tomatis, Geschäftsführer von BlueBotics, hat sich unter anderem für vorab durchgeführte Simulationen ausgesprochen, um den Verkehrsfluss der Roboter, das Laden, die Fahrwege und die Kapazität der Flotten zu überprüfen.

Dieser Ansatz lässt sich auf den Umgang mit Meinungsverschiedenheiten zwischen Beschäftigten und automatisierten Systemen übertragen. Für die Phase der Inbetriebnahme werden drei Übungen vorgeschlagen:

  • Ein fälschlich erkannter Defekt: Eine Inspektionssoftware sortiert ein einwandfreies Teil aus. Der Bediener muss den Fehler melden, Belege sichern und rasch eine Entscheidung des Qualitätsverantwortlichen erhalten können.
  • Widersprüchliche Anweisungen: Ein Produktionsleiter will den Takt halten, während ein Techniker eine Auffälligkeit meldet, die untersucht werden muss. Die Zuständigkeiten müssen festlegen, wer den Prozess unterbrechen, die Untersuchung leiten und die Wiederaufnahme freigeben darf.
  • Eine Störung zwischen zwei Schichten: Ein Bediener der Nachtschicht entdeckt einen sporadisch auftretenden Fehler, der nach einem Reset vom Dashboard verschwindet. Ein Protokoll muss die Meldung, die Belege, die ergriffenen Maßnahmen und den Status des Problems für die nächste Schicht festhalten.

Ein weiteres, hypothetisches Beispiel betrifft ein industrielles Bildverarbeitungssystem, das eine Charge von Teilen als fehlerhaft einstuft. Ein erfahrener Bediener vermutet dagegen Rückstände auf dem Kameraobjektiv. Bevor die Charge automatisch ausgeschleust wird, muss ein Verfahren vorsehen, dass diese Deutung überprüft werden kann.

Anfechtung automatisierter Entscheidungen getrennt von Sicherheitsverfahren regeln

Die OSHA, die US-Behörde für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, weist in ihren Empfehlungen darauf hin, dass sich viele Unfälle mit Robotern bei ungewöhnlichen Tätigkeiten ereignen, insbesondere bei Tests, Einrichtarbeiten, Wartung und Justierungen.

Die Meldung einer angefochtenen Entscheidung darf Beschäftigte niemals dazu veranlassen, einen Gefahrenbereich zu betreten. Physische Schutzeinrichtungen, Verfahren zum Freischalten und Sichern von Energiequellen, Not-Halt-Einrichtungen und tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilungen haben weiterhin Vorrang.

Industrieunternehmen müssen in ihrer Organisation daher zwei Eingriffe auseinanderhalten: die Anlage physisch sichern und eine Entscheidung des Systems erneut prüfen lassen. Bei der Bearbeitung einer Störung müssen zudem die Beobachtungen der Beschäftigten erhalten bleiben, auch wenn ein Alarm nach einem Reset oder bei einem Schichtwechsel verschwindet.