
In Philadelphia ist eine 78-jährige pensionierte Professorin festgenommen worden, nachdem sie auf einem Gehweg einen Lieferroboter blockiert hatte. Sie versteht ihr Vorgehen als Protest dagegen, dass diese Maschinen den öffentlichen Raum in Beschlag nehmen, und will nach eigenen Worten weitermachen.
Carolyn Marvin, ehemalige Professorin für Kommunikationswissenschaft an der University of Pennsylvania, wehrt sich seit mehreren Monaten gegen Lieferroboter in den Straßen von Philadelphia. Ihre Methode: Sie stellt sich vor die kleinen Fahrzeuge auf Rädern, die Essensbestellungen transportieren, und hindert sie so an der Weiterfahrt. Am 14. Oktober brachte ihr das eine Festnahme durch die Polizei ein.
Festnahme nach Blockade eines Lieferroboters
Am 14. Oktober war Carolyn Marvin nach einer Grippeimpfung auf dem Heimweg. Sie trug ein Glas Enchiladasauce und ein Gericht Chicken Biryani bei sich, als sie auf einem belebten Gehweg einem Lieferroboter begegnete.
Wie schon mehrfach zuvor stellte sie sich vor die Maschine, um sie aufzuhalten. Diesmal bildete sich jedoch eine größere Menschenmenge als sonst. Einige Passanten unterstützten sie, andere kritisierten ihr Verhalten.
Nach Angaben der Polizei von Philadelphia rückten die Beamten aus, nachdem eine Meldung über mutmaßliche Sachbeschädigung im Zusammenhang mit einem Lieferroboter eingegangen war. Vor Ort stellten sie fest, dass eine Frau der Maschine den Weg versperrte. Laut Polizei kam sie mehreren Aufforderungen nicht nach.
Die Beamten legten ihr Handschellen an, setzten sie in ein Polizeifahrzeug und stellten ihr einen Strafzettel wegen Störung der öffentlichen Ordnung aus.
Carolyn Marvin gibt an, von der Festnahme überrascht worden zu sein. „Ich habe keinem Menschen den Weg versperrt. Ich habe einer Maschine den Weg versperrt“, sagt sie. Sie sei davon ausgegangen, mehr Rechte zu haben als der Roboter.
Kritik an Lieferrobotern auf Gehwegen
Die Rentnerin bezeichnet ihre Aktionen als symbolischen Protest gegen die Folgen, die der Einsatz von Lieferrobotern im öffentlichen Raum mit sich bringt.
Dabei nennt sie drei Bedenken:
- Arbeitsplätze: Maschinen könnten Lieferfahrer mit geringem Einkommen ersetzen.
- Sicherheit: Die Fahrzeuge könnten eine körperliche Gefahr für Menschen auf den Gehwegen darstellen.
- Privatsphäre: Die in die Roboter eingebauten Kameras werfen Fragen auf.
Zudem beansprucht Carolyn Marvin das Recht, im öffentlichen Raum gegen die Praktiken von Unternehmen zu protestieren. Sie beruft sich auf den ersten Zusatzartikel der US-Verfassung, der unter anderem die Meinungsfreiheit schützt.
Sie stellt ihren Protest in eine Reihe mit ihrem früheren Engagement für die Bürgerrechte, das Recht auf Abtreibung und die Bewegung Black Lives Matter sowie mit ihrem Widerstand gegen den Vietnamkrieg und den Golfkrieg.
Lieferungen verzögern sich um 10 bis 15 Minuten
Bei den betroffenen Robotern handelt es sich um kleine Lieferfahrzeuge auf Rädern, die auf den Gehwegen von Philadelphia Essensbestellungen ausliefern. Sie bewegen sich demnach autonom fort.
Carolyn Marvin zufolge hält sie die Maschinen in der Regel 10 bis 15 Minuten lang auf, sofern sich die Gelegenheit ergibt. Nach ihrer Schätzung erhält ein Kunde sein Mittagessen dadurch höchstens etwa 15 Minuten später.
Die Aktionen bieten ihr außerdem die Gelegenheit, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Die meisten, die sie ansprechen, stehen ihrem Anliegen nach eigener Aussage wohlwollend gegenüber oder sind schlicht neugierig.
Trotz ihrer Festnahme will die Rentnerin ihre Aktionen gegen Lieferroboter fortsetzen.
Gesetz in Pennsylvania regelt autonome Lieferroboter
Der Fall wirft zudem die Frage auf, welchen rechtlichen Status diese Maschinen haben, wenn sie sich Flächen mit Fußgängern teilen.
Nach ihrer Festnahme befasste sich Carolyn Marvin mit den Vorschriften, die in Pennsylvania für autonome Liefergeräte gelten. Das Parlament des US-Bundesstaats hat 2020 ein Gesetz verabschiedet, das ihre rechtliche Einordnung regelt.
Diese Regelung ist nun Teil des Rahmens, in dem ihr Protest gegen die Roboter auf den Gehwegen steht.