NEURA Neuron AI: Roboter sollen per Tastsinn und Geräusch handeln, wo Kameras nicht reichen

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Fünffingrige Roboterhand mit Gelenken hält ein kleines Fläschchen, sichtbare Mechanik mit integrierten Sensoren
Roboterhand mit beweglichen Fingern und sichtbaren Sensoren zwischen den Fingergliedern.

NEURA Robotics hat am 14. Oktober 2026 Neuron AI vorgestellt, ein multimodales Foundation Model für die eigenen Roboter. Der deutsche Hersteller mit Sitz in Metzingen beschreibt ein System, das 3D-Sehen, Tastsinn, Kraftdaten, Audio, Roboterzustand und Sprache zusammenführt und über eine Gedächtnisfunktion verfügt. Erklärtes Ziel: Ein Roboter soll auf Grundlage von Informationen handeln können, die Kameras allein nicht erfassen.

NEURA nennt seine Architektur Perception-Language-Action (PLA), also Wahrnehmung, Sprache, Aktion. Konkret kodiert das Modell mehrere Sensordatenströme, bringt sie im zeitlichen Verlauf in einem gemeinsamen Raum zusammen und wandelt sie in einen einzigen Aktionsstrom um. Der Hersteller nennt Anwendungsbeispiele, in denen die Kamera nicht ausreicht: Ob sich ein Schloss tatsächlich öffnet, bestätigen erst Geräusch und Tastsinn. Beim Schweißen lässt sich die Qualität einer Naht am Prozessgeräusch beurteilen.

Gedächtnisfunktion: Objekte außerhalb des Sichtfelds verfolgen

NEURA hebt besonders das Gedächtnis des Modells hervor. Ein Roboter, der in der physischen Welt handelt, muss Objekte auch dann nachverfolgen, wenn sie sein Sichtfeld verlassen, und zugleich die Folgen seiner eigenen Handlungen im Blick behalten. Laut Hersteller wurde die Architektur eigens angepasst, um dieses Gedächtnis einzuführen, und mit speziellen Datasets trainiert.

„Ein intelligenter Roboter braucht ein Gehirn, das seine Sinne bündelt und sich merkt, was passiert ist“, sagt David Reger, Gründer und CEO von NEURA Robotics. Er bezeichnet Neuron AI als Modell, das in Deutschland entwickelt und für die ganze Welt konzipiert sei.

Eigenes Training mit Industriedaten von Schaeffler und Bosch

Nach Angaben von NEURA wurde Neuron AI intern in Metzingen entwickelt und trainiert. Der Hersteller gibt an, die dafür nötigen Roboter, Hände, Sensoren, Dateninfrastruktur und KI-Entwicklung unter einem Dach zu vereinen. Das Training stützt sich auf drei Quellen physischer Erfahrung sowie auf Datenpartnerschaften mit Industrieunternehmen, darunter Schaeffler und Bosch. Diese ergänzen die Datenerhebung in den NEURA Gyms, den Sammel- und Trainingsanlagen des Unternehmens. Laut Mitteilung deckt das Modell fünf NEURA-Robotermodelle mit unterschiedlichen Greifern und Händen ab.

Bereitstellung und Updates laufen über das Neuraverse, die Plattform des Herstellers. Darüber sollen Kunden das Modell zudem per Fine-Tuning an ihre eigenen Aufgaben anpassen können. NEURA zufolge können Kunden ihre Fähigkeiten für sich behalten. Fähigkeiten, die sie teilen möchten, können in das Ökosystem einfließen.

Elfminütige Wäschedemo mit dem 4NE1 auf der GTC Berlin

Für die NVIDIA GTC Berlin 2026 kündigt NEURA eine Vorführung an, bei der sein humanoider Roboter 4NE1 mit der aktuellen Version von Neuron AI eine elfminütige Abfolge rund um die Wäsche absolviert. Dazu gehören das Sortieren der Wäsche, das Beladen einer Waschmaschine, deren Schließen und erneutes Öffnen, das Entladen und schließlich das Umladen in einen Wäschetrockner. Laut NEURA läuft die Abfolge ohne menschliches Eingreifen ab. Im Mittelpunkt stünden die Handhabung und die Koordination der einzelnen Schritte.

Es handelt sich um eine Vorführung des Herstellers, nicht um eine unabhängig gemessene Leistung. Zu sehen ist sie vom 20. bis 22. Oktober in der Station-Berlin, Halle 3, Stand 3031. Einen Preis oder einen Zeitplan für die Markteinführung von Neuron AI nennt NEURA nicht.

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